Filmanalyse Frame by Frame
Kategorie: :: hgw am Sonntag, 25. September 2005, 17:17
Ein überraschend spannendes Experiment einer Filmanalyse führt die Website 'Frame by Frame' anhand David Lynch's 'Blue Velvet' durch. 172.800 Einzelbilder warten auf Ihre Betrachtung ...
Die ersten Einzelbilder des Films bestehen aus einem rein blauen Hintergrund, iin den in Kürze (ab etwa Bild 28) erste Wolkenbestandteile ragen werden.
Unter den etwa wöchentlichen Artikeln zu jeweils drei Einzelbildern versammelt Autor Nicholas Rombes, Dozent an der Uni Detroit Mercy, schon eine ganze Menge film-philosophischer Betrachtungen und Zitaten, von Adorno, Walter Benjamin, Roland Barthes oder Susan Sonntag, und auch von Kommentarschreibern, in dieser als offenem Weblog aufgebauten Filmanalyse. Zum Beispiel mein Kommentar zu Frames 23, 24, 25 zum Blau (eben genauer: Blau-Schwarz) der ersten Bilder.
Filmanalyse 'Frame byFrame' - Website ist ein Experiment: 'What shape might film theory take in a post-film world? ...' fragt Nicholas Rhombes und ist sich bewußt, dass die komplette Analyse des Films mit 172.000 Einzelbildern in dieser Weise etwa 463 Jahre dauern wird...
Das Ganze ist also ein Modell extremer Verlangsamung, und er setzt es entsprechend in den Kontext unserer als immer schnellebiger empfundenen Zeit als Versuch eines 'slow criticism against the hyperspeed of the digital era.'
Zur Betrachtung der Bilder 26,27, 28 zitiert Rombes zum Thema Realität und ihrer Wiedergabe/Wiedererzeugung/Neuerzeugung in der Kunst einen sehr schönen Gedanken von Maya Deren (Link: Eintrag in der Wikipedia-Enzyklopädie:
David Lynch's closest cinematic relative--Maya Deren--published in 1946 (the year of David Lynch's birth) these words: "To renounce the natural frame of reference--the natural logic and integrity of an existent reality--is not, as popularly assumed, an escape from the labor of truth. On the contrary, it places upon the artist the entire responsibility for creating a logic as dynamic, integrated, and compelling as those in which nature abounds. To create a form of life is, in the final analysis, much more demanding than to render one which is ready-made." (Maya Deren, An Anagram of Ideas on Art, Form, and Film: 1946)
